Heimatverein Darmstadtia e.V.

„Mehr davon“ ‒ Heft 49 2026/2 ‒ ergänzende Dokumente


Kultureller Hunger in der Nachkriegszeit

Liste seiner Auftritte

Diese Liste hat Mitschdoerfers Sohn Erwin (*1938) zusammengestellt. Sie zeigt die bodenständige Vernetzung des Bassisten bei zahlreichen Veranstaltern.

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Als Solist engagiert im Festprogramm

Zur Verabschiedung von Wilhelm Köhler als Direktor der Goebel GmbH am 19.10.1956 in der Bessunger Turnhalle trat Mitschdoerfer als Solist, begleitet vom Werkschor der Maschinenfabrik Goebel, auf. Die Arie O Isis und Osiris aus Mozarts Zauberflöte war und ist ein Paradestück für Bassisten bei feierlichen Anlässen.

Das „Sextett des Darmstädter Orchesters“ dürfte eine Ad-Hoc-Zusammensetzung von Mitgliedern des Orchesters beim Hessischen Landestheater gewesen sein.

Heinrich Mitschdoerfer war mit dem Chauffeur von Wilhelm Köhler, Herrn Hüther, eng befreundet. Der Sohn Heinrich (*1939) erinnert sich, dass er als kleiner Bub dabei sein durfte, als die beiden Anfang der 1950er Jahre mit der Bahn von Darmstadt nach Köln fuhren und dort einen riesigen amerikanischen Ford (oder Chrysler?) für Köhler abholten. Die Rückfahrt ging dann in diesem Wagen durchs Rheintal, nicht ohne in St. Goar im Rheinhotel einen spontanen Soloauftritt à la Wein-Weib-und-Gesang zu absolvieren. Der Bub musste im Auto bleiben, weil er „ein Loch im Strumpf“ hatte…

Metzgerei und Gasthof ZUM Darmstädter Hof in Nieder Ramstadt

Wichtiger sozialer Ort: Typischer Landgasthof mit Saal aus der Zeit vor den hessischen „Dorfgemeinschaftshäusern“ bzw. „Bürgerhäusern“ sozialdemokratischer Prägung. Hier trat Mitschdoerfer vor dem örtlichen Publikum auf. Ähnlich können wir uns in der Zeit von etwa 1930 bis 1960 andere von Mitschdoerfers Veranstaltungsorte im südhessischen Raum (auf der Liste oben) vorstellen.

Werbeschalplatte der Moselfeuer-Likörfabrik

Es singen die Woog’s-Finken [sic!], denen Heinrich Mitschdoerfer zeitweise angehörte. Weitere Erläuterungen im gedruckten Heft.

Klangprobe – Moselfeuer-Schunkelwalzer


Die Vision von der Autobahn

Das Elternhaus in der Karlstraße 59

Die im Heftbeitrag geschilderten Nebengebäude und Schuppen im Garten des Hauses an der Ecke Carlstraße / Heinrichstraße lassen sich auf dem Plan von 1900 gut erkennen.

Quelle: LAGIS/Hessen

Hafraba-anzeige

Plakat für die Hafraba zur Gewerbeausstellung 1927 in Basel von Robert Stöcklin

Aufruf zur Verhinderung Adolf Hitlers als Reichspräsident

Dieser Aufruf war einer der Gründe für den späteren Karriere-Stopp von Krebs. Die Liste der Unterzeichner, zu denen auch der Tagblatt-„Direktor“ Rudolf Mauve gehört, versammelt einen guten Teil der der damaligen konservativ-„vernünftigen“ Darmstädter Bürgerschaft. Dass Hindenburg, für dessen Wiederwahl die Unterzeichner werben, ein Kriegsverbrecher war, störte die Herren nicht.

Quelle: Darmstädter Tagblatt, 3.12.1932

Rezension von Theo Krebs

Möglicherweise eine Gefälligkeitsrezension für den Ministerialrat und Kollegen (?) Otto Meller, dem Krebs eine liberale, ethisch gefestigte Haltung in Grundfragen der Nationalökonomie zubilligt.

Wenige Wochen nach der „Machtergreifung“ der Nazis erschienen, ist der Text rein fachwissenschaftlich und unabhängig von möglichen neuen ideologischen Leitlinien.

Quelle: Darmstädter Tagblatt vom 18.2.1933

Treffen der Bürgermeister in Bensheim

Die Gemeinden beklagen den zu geringen Verkehr in auf ihren Straßen. Man diskutiert mögliche Werbemaßnahmen.

Am Schluss berichtet Theodor Krebs über die Möglichkeit von Anschlüssen an die geplante Autobahn südlich von Darmstadt (der Abschnitt Frankfurt-Darmstadt ist bereits fertiggestellt) für die Gemeinden an der Bergstraße. Bekanntlich wurde nur bei Bensheim ein Anschluss realisiert.

Quelle: Darmstädter Tagblatt vom 10.09.1935

Vision: Darmstadt an der Autobahn

Titelblatt des Heftes 4, Jahrgang 4, 1931 der Zeitschrift Hafraba, wiedergeben in einem Aufsatz „Tunlich geradlinig“. Die Gründung des Vereins „HAFRABA“ 1926
und der Bau der deutschen Autobahnen
von Karl-Heinz Friedrich.

Der Verlauf der Autobahn ist noch idealisiert eingezeichnet; er lässt die geplante westliche Umgehung von Kassel (durch Wilhelmshöhe) erahnen. Auch im Raum Rüsselsheim geht es noch recht phantasievoll zu. Im Raum Darmstadt- Mannheim-Heidelberg entspricht die Grafik recht genau dem später realisierten Verlauf.

Quelle: Mitteilungen aus dem Bundesarchiv 2/2006

SIe haben Ihr Ziel erreicht!

Theo Krebs (rechts) mit seinem Sohn Helmut (1924-2016) sowie Schwager Wilhelm Köhler (1897-1962) und dessen Horch am Ziel einer Ausflugsfahrt nach Rastatt, ca. 1935.

Quelle: Privatarchiv Krebs/Werner


Zwischen Leinwand und Katheder

Im Lehrerseminar

Das Bild von 1901 zeigt die Studenten/Junglehrer des Bensheimer Lehrerseminars, möglicherweise anlässlich eines Turnfestes. Die äußere Strenge der symmetrischen Anordnung entsprach der kasernenhofmäßigen Zucht und Ordnung, wie Rouge sich erinnert. Er ist sitzt vorne links auf dem Boden.

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Das Werkverzeichnis

In einem Schreibheft der Größe A5 hat Rouge dieses Verzeichnis seiner Werke angelegt, allerdings viel zu weit hinten, so dass er sich mehrmals genötigt sah, die Fortsetzungen weiter vorne vorzunehmen. So kommt es zu den Sprüngen in der Darstellung, die wir hier ungeschnitten übernehmen.

Viele kleinere Gelegenheitswerke sind nur summarisch („5 Aquarelle“) oder gar nicht aufgeführt. Dennoch gibt das Verzeichnis mit seinen über 900 Einträgen einen guten Einblick in die wechselnden Schwerpunkte (Portraitmalerei, Landschaftsmalerei, Kopien nach Alten Meistern, Auftragswerke) von Rouges Arbeit.

Es wäre nicht verwunderlich, wenn manche von Rouges Werken noch in südhessischen Wohnzimmern hingen – stöbern und suchen Sie gerne nach „Ihrem“ Rouge!

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Wohnung Frankensteinstr. 63
(heute brüder-Knauss-Str.)

Hier wohnte die Familie Rouge im in den 1920er Jahren im Erdgeschoss. Das Haus hat den Krieg überstanden und sieht heute äußerlich nahezu unverändert aus.

Die Grundrisszeichnung stammt von Tochter Annegret Tiplt-Rouge aus der Erinnerung. Ein Atelier findet sich hier nicht – es lag in der Karlstraße in einem Gartenschuppen.

Foto vor 1929. Im Erdgeschoss aus dem Fenster blickend: Martha Rouge († 1928), auf dem Balkon Tochter Annegret (1911-2013). Zwei Etagen höher steht die Hausbesitzerin, Frau Weihl mit ihren Töchtern.

AUs dem SkizzenbucH

Das Skizzenbuch zeichnet Rouges Streifzüge durch die nähere und weitere Umgebung nach: Das ist vor allem die Gegend um Seeheim mit der Bergstraße und dem Ried, später auch bei der Tochter Annegret Tiplt-Rouge in Süddeutschland und Salzburg.

Gelegenheitsgedichte

Rouge hat bei den geselligen Veranstaltungen der Kunstgenossenschaft selbst verfertigte launige Gedichte in Darmstädter Mundart vorgetragen. Sie behandeln die prekäre Situation der Maler gegenüber einer knauserigen Abnehmerschaft ebenso wie die ränkedurchwirkten und undurchsichtigen Kriterien der Jury bei der Werkauswahl für Ausstellungen.

Inhaltlich sind die Verse treffsicher und pointiert. Formal weisen sie den bei solchen Gedichten häufig anzutreffenden holprigen und ungelenken Rhythmus auf. Die Wirkung bei den Vereins-Gelagen dürften dem Verfasser Lob und Anerkennung gebracht haben: Er war als Lehrer gewohnt, vor Publikum aufzutreten und kannte die Tricks, ein Publikum in Stimmung zu bringen.

Hier stellvertretend für die vier Gedichte der Schwanengesang auf die Kunstgenossenschaft (im PDF-Dokument das letzte Gedicht nach dem Doppelstrich):

Un wenn die Jury seggt: eraus!
Des macht uns doch fast gornix aus.
Mir male lustig weiter.
Und bleiwe der Kunst ihr Streiter
In Dammstadt sinn mers ja gewohnt,
Die Qualität wird net belohnt.
Des hawwe mer, wie sich’s gebührt
Beim Sitte x mal schunn konstatiert.
Dort gehe als, Ihr wisst’s ja noch
Die Wogen der Kritik manchmal hoch.
Doch heit, Ihr lieben Kunstgenosse
Intressiern uns net die Posse.
Heit woll mer lustig un fröhlich sei,
Drum lade mer ja auch die Mädcher ei.
Denn jeder weiß ja, wenn er net hat gedöst:
Die Kunstgenossenschaft hat sich uffgelöst.
Drum hott auch jeder was geerbt,
Doch besser, als wenn’s woannerst verderbt.

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Kassenbuch/Notizbuch

Hier hat Rouge u. a. die Zahlungseingänge seitens seiner „Kunden“ protokolliert. Auch das im Beitragstext erwähnte Bild Café, erworben 1949 von Dr. Wilhelm Köhler, ist aufgeführt.

Besonders interessant erscheinen die Anleitungen bzw. Rezepte für Farbmischungen, Grundierung und den Farbaufbau der Bilder am Schluss des Heftes.

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Erhaltene Werke

Diese Bilder aus dem Familienbesitz von Rouges Nachfahren wurden überwiegend auf einer Gedächtnisausstellung 1990 in Brannenburg gezeigt.

Die Bildtitel sind derzeit unbekannt. Das dritte Bild ist eine Kopie nach Rubens/Snyders (Diana und die Nymphen, von Faunen überrascht) aus dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

Vermischtes – Dokumente

Vermischtes – Anekdotisches

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Maschinchen bauen

Mit seinem technischen Verständnis und kreativem Vermögen, mit Blechschere, Schraubenzieher und Lötkolben schaffte es der junge Zeichenlehrer, eine Dampfmaschine im kompletten Eigenbau zu konstruieren. Der Kessel muss eine Konservenbüchse gewesen sein, das Schwungrad selbst gegossen…

Der Spitzname am LGG

Das Familien-Narrativ erklärt die Herkunft des Spitznamens Rouge-Bepper so: Wenn es im Unterricht auf den hinteren Bänken mal wieder lauter wurde, mahnte der Zeichenlehrer: „Ich glaab, da hinne beppert was!“

Wissenstransfer als Großvater

ToDo